Die Eingewöhnungsphase

Wenn sich Tagesmutter und Tageskind noch nicht vorher kennen, trifft das Kind auf eine völlig fremde Person und eine fremde Umgebung. Das Ziel der Eingewöhnungsphase ist es, daß Tagesmutter und Tageskind eine Beziehung zueinander aufbauen können. Ebenso müssen sich alle Kinder und Tageskinder kennenlernen und aneinander gewöhnen. Dies ist gleich zu Beginn eine große Herausforderung für jedes Kind und fordert seine Fähigkeit, sich an neue Umgebungen zu gewöhnen und Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen.

Für einen sicheren Einstieg ist es zunächst ganz wichtig, daß die Hauptbezugsperson - meist die Mutter -, die dem Kind Sicherheit und Ruhe gibt, anwesend ist. Während der Entdeckung der neuen Umgebung ist sie immer sicherer Anlaufpunkt. Erst wenn das Kind die Tagesmutter auch als Bezugsperson anerkennt, sich an sie wendet, wenn es etwas möchte und sich sicher und geborgen fühlt, ohne daß Mutter oder Vater in der Nähe sind, kann die eigentliche Tagespflege beginnen.

 

Anfangs besucht die abgebende Mutter mit ihrem Kind die Tagesmutter mehrere Tage für eine Dauer von zunächst 1, später 2-3 Stunden. Dabei hält sie sich immer in der Nähe ihres Kindes auf. Mit der Zeit sollte sie sich immer mehr im Hintergrund halten und eine beobachtende Rolle einnehmen. Die Tagesmutter hingegen übernimmt nach und nach die Aufgaben der Mutter, bietet Essen und Trinken an, tröstet und spielt mit dem Tageskind. Dabei spielen auch die anderen (Tages-)Kinder eine wichtige Rolle, denn das neue Tageskind sollte gut aufgenommen und integriert werden. Die Mutter greift nur noch in Notfällen ein und bleibt durch ihre Anwesenheit im Zweifelsfall der sicherste Anlaufpunkt für ihr Kind.

 

Ab dem vierten Tag kann die Mutter damit beginnen, zeitweise in ein Nebenzimmer zu gehen. Sie sollte ihrem Kind sagen, daß sie eine kurze Zeit weggeht und aber gleich wiederkommt. Keinesfalls sollte sie sich heimlich hinausschleichen. Dies würde nur zu Ängsten und Verunsicherung führen. Sie sollte nach der Verabschiedung konsequent den Raum verlassen, auch wenn das Kind zu weinen beginnt, dann aber nach zwei Minuten wiederkommen. Sie sollte das Kind begrüßen und trösten. Dieses Vorgehen zeigt dem Kind, daß die Mutter ihr Wort gehalten hat und wiedergekommen ist. Es hilft ihm Vertrauen aufzubauen. Vielen Kindern macht es scheinbar auch gar nichts aus, daß die Mutter sich nun zeitweise entfernt. Die Mutter sollte ihr Kind trotzdem begrüßen.

 

Ein guter Beziehungsaufbau von Tageskind und Tagesmutter wird in jedem Fall dadurch begünstigt, wenn die Mutter ihr Kind merken läßt, daß sie der Tagesmutter vertraut und ihr zugetan ist. Dazu reicht eine ganz alltägliche nette Unterhaltung und daß zusammen gelacht wird.

 

Mit der Zeit werden die Phasen der Abwesenheit immer weiter ausgedehnt. Mutter und Tagesmutter sollten ganz klare Absprachen treffen, wie lange diese Phasen sein sollten. Für Notfälle sollten beide immer telefonisch erreichbar bleiben!

 

Die Dauer der Eingewöhnung kann sehr unterschiedlich sein. Im Ernstfall bleibt aus beruflichen Gründen kaum Zeit für eine intensive und gut geplante Eingewöhnung. Das ist sicher schade, aber nicht unlösbar. Im Normalfall liegt die Eingewöhnungszeit je nach Alter und Kontaktfreudigkeit des Kindes zwischen 10 Tagen und 4 Wochen.

 

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